Trolley nach Gruiten

Zur Geschichte.

Der elektrische Oberleitungsomnibus ist schon seit vielen Jahren bekannt.

Die Idee dieses Systems kommt von einem Deutschen, dem Ingenieur Max Schiemann aus Wurzen.  Er ist der Pionier der gleislosen Bahn, wie damals diese Einrichtung genannt wurde.

Bereits im Jahre 1891 wurde die erste gleislose Bahn im Biellatal bei Königstein an der Elbe in Betrieb genommen. Es folgten dann weitere Anlagen in Grevenbrück (1903), Monheim - Langenfeld (1904), Veischedetalbahn - Bilstein (1904), Industriebahn Wurzen (1904), Groß-Bauchlitz (1905), Neuenahr - Ahrweiler-Walporzheim (1906), Blankenese-Marienhöhe (1911), Altonaer Hafenbahn (1911), Breslau­ Brockau (1912).

Im Ausland sind gleislose Bahnen erst seit 1903 nachweisbar (Turin), Lyon - Charbonnière (1905), Pirano (1909), Drammen (1909), Leeds (1911), Bradford (1911).

In Amerika werden gleislose Bahnen erst seit 1910 betrieben. Auch das übrige Ausland hat den  Oberleitungsomnibus eingeführt.

Trolley-Bus

Wagen 2 zwischen Irdelen und Rüttgersweg.

Es laufen solche in Holland, Dänemark, China, Japan, Afrika und Peru. Sie sind fast alle englischer Herkunft.

 Der Oberleitungsomnibus ist also eine deutsche Erfindung und keine ausländische.

Dieses verdient besonders hervorgehoben zu werden mit Rücksicht darauf, daß in der Literatur immer wieder  fälschlicherweise der Oberleitungsomnibus als ausländischen Ursprungs bezeichnet wird.

In Deutschland haben sich diese sogenannten gleislosen Bahnen nicht lange halten können.

Die Idee war verfrüht. Die Straßenverhältnisse ließen ein solches System noch nicht zu.

Hinzu kamen dann noch verschiedene technische Mängel der Betriebsmittel.

Das hatte sich inzwischen geändert.

Wagenaufbau, elektrische Ausrüstung und auch der Straßenbau haben Fortschritte gemacht, so daß nunmehr die Voraussetzungen für den elektrischen Oberleitungsomnibusbetrieb vorliegen.

Die Beweggründe, die die Städte veranlaßten, den Oberleitungsomnibusbetrieb einzuführen, waren durchweg finanzieller Natur.

Fahrplan

 

Die Kraftwagenlinie  Mettmann -  Gruiten

Die Kraftwagenlinie Mettmann - Gruiten (Reichsbahnhof) ist die Reststrecke einer im Oktober 1928 eröffneten Kraftfahrlinie Mettmann - Gruiten - Haan - Gräfrath. Die Strecke Gruiten - Haan - Gräfrath, die auf Wunsch der Gemeinden eingerichtet wurde, hat sich bald nach Eröffnung als unwirtschaftlich herausgestellt, so daß bereits am 15. 12.1928 der Teil Polnische Mütze - Gräfrath mit Genehmigung des Regierungspräsidenten zu Düsseldorf stillgelegt wurde. Durch Abstoßung dieses unrentablen Teiles hoffte man, die Reststrecke aufrechterhalten zu können. Aber auch dies erwies sich als trügerisch.

Fahrgastraum

Blick in den Fahrgastraum des Obus

Der Bezirk, den die Linie berührt, ist zu schwach bevölkert. Verkehrspolitisch ist die Linie für die Gemeinden Mettmann (12 000 Ew.) und Gruiten (3000 Ew.) unentbehrlich. Ohne Zweifel ist diese Strecke entwicklungsfähig und verspricht für die Zukunft bessere Rentabilität. Vorerst konnte daher der Betrieb nur mit Unterstützung der Gemeinden aufrechterhalten werden.

Trolley-Bus am Bahnhof

Trolley-Bus in Gruiten am Bahnhof.

Es beschlossen demnach der Kreis Mettmann und die beiden Gemeinden, sich am Wagnis durch laufende Zuschüsse zu beteiligen. Gleichzeitig wurde der Betrieb zwischen Gruiten (Bahnhof) - Polnische Mütze eingestellt.

So blieb dann nur noch die Strecke Mettmann - Gruiten (Bahnhof) übrig, von der man im Laufe der Zeit eine Verkehrsbelebung erhofft.

Diese Strecke ist 5770 m lang und führt durch eine schwach bevölkerte Gegend, die aber für eine stärkere Ansiedlung reif ist.

Erst durch die teilweise Anlage einer breiten Straße zwischen Mettmann und Gruiten-Dorf wurde die Voraussetzung für einen planmäßigen Linienverkehr zwischen den beiden Orten geschaffen.

Straßenbau am Potherbruch

Straßenbau am Potherbruch.

Von den beiden Gemeinden ist in dieser Beziehung viel geleistet worden. Die Linie liegt im  hügeligem Gelände mit schwierigen Straßenverhältnissen.

Von den 5770 m verlaufen nur 67,99% gerade und 32,01% in Krümmungen, darunter solche von 12 m Halbmesser von Mitte Fahrstraße gemessen.

Am 26. August 1930 fuhr der erste, mit elektrischer Oberleitung betriebene Bus nach Gruiten.

Trolley überholt einen Lieferwagen

Trolley überholt einen Lieferwagen auf einer 5m breiten Straße.

 Der Trolley-Bus war so beliebt, das sogar ein Lied über ihn geschrieben wurde.

Wir fahren mit dem Trolleybus

von Mettmann bis nach Gruiten

Der Mann, der immer vorne sitzt,

der fängt dann an zu tüten.

Tri-tra Trollybus

von Mettmann bis nach Gruiten.

Und habn wir nicht Geld genug,

fahr‘n wir nur bis Potherbruch.

Und wenn ich dann zur Schule muß,

dann fahr allein mein Trolleybus.

Tri-tra-Trolleybus.

Trolleybus

Zwischen Irdelen und Schnutenteich

ist der Wagen 1 in Richtung Mettmann unterwegs;

am Gruitener Bahnhof hat man vergessen umzuschildern.

 

Und fahren wir bis Hubbeirath,

dort steigt man um, und das ist schad.

Und denke dann zum guten Schluß

wie schön man sitzt im Trolleybus.

Tri-tra-Trolleybus

von Mettmann bis nach Gruiten.

Fritz Uhrmeister

Lehrer an der Volksschule in  Mettmann

Begegnung in Gruiten Dorf

Begegnung in Gruiten Dorf.

Schleife am Reichsbahnhof Gruiten

Wagen 2 in der Schleife am Reichsbahnhof Gruiten

Es dauerte nicht lange, da gehörte der Obus einfach zum Dorf. Man gebrauchte für seinen langen Namen nur die zwei „O“ und sprach vom „Onkel Otto!“. Das der Obus aber so beliebt wurde, ist zu einem sehr großen Teil den beiden Wagenfahrern zu verdanken. Sie verdienen es, in Anerkennung ihrer Höflichkeit, Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft, daß ihre Namen genannt werden. Es waren zwei Mettmanner, Heinrich Stratmann und Karl Jupp.

 Da steigt Fritzchen, ein Dreikäsegroß, in den Wagen. Der Fahrer: „Wo willst du denn hin?" Fritzchen:,, Ich will nach dem Onkel Wimm!“ Der Fahrer hält mitten auf der Strecke und läßt Fritzchen aussteigen.

Nach alten Erzählungen ließ man  damals um die wachsende  Zahl an Fahrgästen besser transportieren zu können, einen Trolley-Bus in der Mitte durchgeschnitten und ihn um 1,8 m verlängern.  Man könnte meinen, es handelte sich um einen Schildbürger-Streich, aber es war einfach nur eine Fehlplanung der Verantwortlichen,  jedenfalls kam nach diesem Eingriff "Onkel Otto" nicht mehr in Gruiten Dorf um die engen Kurven und das Gelächter bei den Gruitenern war groß !!!

Trolley am Potherbruch

Trolley überholt einen beladenen Strohwagen Richtung Potherbruch.

Der letzte Bus am Abend fuhr gegen ½ 12 ab Bahnhof, der sogenannte Lumpensammler. Fast geräuschlos fuhr er ins Dorf ein. Gerne saßen zu dieser Zeit noch Mettmanner in der Gaststätte zum Schwanen. Der Wirt, der Schwaner, hing alsdann ein rotes Petroleumlämpchen vor die Tür. Das besagte dem Fahrer, daß noch Gäste mitfahren wollten. Er ging in den Schwanen, trank auch noch ein Gläschen oder noch ein spendiertes dazu, dann sagte er: „So nu kommt Jungs, wir wollen fahren.“ An einem Abend entdeckte er, als er den Wagen in die Halle gefahren hatte, den Gruitener Schullehrer schlafend auf dem hinteren Sitz. Kurz entschlossen fuhr er zurück nach Gruiten, setzte den Lehrer im Dorf vor seiner Wohnung ab, fuhr noch bis zum Bahnhof, weil er sonst nirgends wenden konnte, und dann wieder zurück nach Mettmann. — O, du gute geruhsame Zeit! Diese Erzählungen ließen sich beliebig fortsetzen.

Endhaltestelle Bahnhof Gruiten

Obus-Endhaltestelle Bahnhof Gruiten 1930

Am 17. Mai 1952 erfolgte die Umstellung auf Dieselbusse, aber nicht, weil sich in den grünen Plüschpolstern immer wieder Flöhe einnisteten, sonder weil die Straßenbahnlinie Mettmann-Vohwinkel  stillgelegt wurde.

Das verteuerte die Unterhaltung und Wartung des einzigen elektrisch betriebenen Fahrzeugs enorm. Hinzu kam die Veralterung der gesamten Oberleitungsanlagen, deren Erneuerung über 1,5 Millionen DM gekostet hatte. Für den immer stärker werdenden Normalverkehr Lastwagen, Pkw etc., wurde der Trolleybus mit seiner geringen Fahrgeschwindigkeit‚ die nicht zuletzt auf die eng zusammenliegenden Haltestellen zurückzuführen war, für den Gesamtverkehr zum Hindernis, zumal die Ausweichmöglichkeit des 0-Busses durch die Fahrleitungsstangen begrenzt war. Hinzu kam, daß die Isolierung des 0-Busses so schadhaft war, daß bei nassem Wetter Fahrgäste beim Besteigen des Busses leichte elektrische Schläge als Zugabe zum Fahrpreis bekamen; daß bei etwas überhöhter Geschwindigkeit die Fahrstangen oder aber die Rollen durch die Gegend flogen, wurde zur lästigen Gewohnheit.

 Die von „59“ in „41“ geänderte Linie wurde mit dem 10. Mai 1953 von Gruiten bis nach Haan durchgebunden.

Die Stilllegung des Mettmanner Obusses erfolgte ohne jeden Protest der Bevölkerung, denn über umweltpolitische Aspekte wurde zu dieser Zeit überhaupt nicht nachgedacht.

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Daten und Ereignisse überwiegend entnommen aus folgenden Veröffentlichungen:

 

Beschreibung des Elektrischen Oberleitungsomnibusses Mettmann-Gruiten

von A. Schiffer, Betriebsdirektor, R W E, Essen,

Aus der Chronik der Mettmanner Straßenbahnen

von Wolfgang R. Reimann  Verlag B. Neddermeyer, http://www.eisenbahn-verlag.de

GRUITEN  Perle im Niederbergischen Land

Herausgeber:          Bürger- und Verkehrs-Verein Gruiten e. V.,

Kurt Weber aus Mettmann (war ein Jahr lang Schaffner auf dem Trollybus).