Prälat Bernhard Marschall

Prälat Bernhard Marschall

Foto (c) Kreisarchiv Mettmann / Sepp Unger   

SO SEHR HAT GOTT DIE WELT GELIEBT“

Rundfunkandacht von Prälat Bernhard Marschall, Gruiten

Menschen in Angst

WIR leben in einer bewegten Zeit. Jede Zeit hat gute und böse Seiten. Bewegte Zeiten bringen das Gute und das Böse schneller und greifbarer an die Oberfläche. Ratlos, verwirrt steht dann der Mensch im Wirbel des Geschehens. Er bedarf eines besonderen Lichtes und einer neuen Kraft. Das kann ihm nur von dem gegeben werden, der uns das Leben geschenkt hat und unser Leben lenkt. Er hat sich uns in seinem menschgewordenen Sohne, Jesus Christus, geoffenbart und offenbart sich immer von neuem in seiner Kirche. Dort erklingt sein göttliches Wort bis an das Ende der Zeiten. Eines seiner Worte möge uns in dieser Woche Richtung geben und Trost und Kraft vermitteln, das Wort, das uns der Evangelist Johannes im dritten Kapitel, Vers 16, aufgeschrieben hat: „Denn so sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn dahingegeben hat, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verlorengehe, sondern ewiges Leben habe.“

Dieses Bibelwort möge in unsere Zeitsituation hineinwirken. Das Eigene unserer Zeit finden wir in Zeitungen, in Zeitschriften, und Büchern, in Privatgesprächen und öffentlichen Reden mit dem merkwürdigen Wort bezeichnet „Angst haben“.

Die Menschen von heute leben in Angst, sind verängstigt, weil sie ständig einem Ende gegenüberstehen. Alles in dieser Welt hat ein Ende. Eine Binsenwahrheit! Aber der Mensch von heute möchte das nicht wahrhaben. Darum huscht er darüberweg. Schlägt sich solche Gedanken aus dem Kopfe. Taumelt von einer Ablenkung in die andere, von einem Genuß in den anderen. Und doch geht der Schatten der Angst vor dem Ende mit ihm.

Die Ereignisse der letzten zwanzig Jahre, die Kriege und ihre Begleiterscheinungen, zwingen jeden Menschen, an das Ende zu denken. Das Vergangene erschreckt und erzeugt Angst vor dem Kommenden. Philosophen, Denker und Dichter suchen mit ihren Worten Mut zu machen. Aber ihre Worte sind nichtssagend und führen in die Irre, wenn sie nicht von Gott ausgehen und zu Gott hinstreben. Man wollte uns z. B. einreden, es gäbe in dieser Welt ein ewiges Reich; Menschenwerke seien ewig und unzerstörbar. Erschüttert sahen wir und sehen wir noch die Ruinen der Menschenwerke rings um uns herum. Wir können am Untergang der Dinge und am Tode nicht vorbeisehen. Ungewißheit quält uns. Stolzestes Planen wurde zerschlagen. Als Christen haben wir den Mut, dem Leben ins Angesicht zu schauen. Christen stehen mit beiden Beinen auf der Erde. Wir sehen die Dinge, wie sie sind. Die Wahrheit ist uns kein Schreckgespenst. Wir leben in der christlichen Wahrheit. Christus hat uns in seiner Wahrheit heimgeholt. Er sagt in die Angst der heutigen Menschheit hinein das Wort, das er dem suchenden Nikodemus offenbarte: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn dahingab.“ Dieses Wort klärt unsere Ungewißheit und rettet uns vor jeder Angst. Gott liebt uns. Zu ihm dürfen wir „Vater“ sagen: „Vater unser, der du bist im Himmel.“ Stiller Jubel füllt unser Herz. Denn am Vaterherzen Gottes sind wir geborgen.

Prälat Bernhard Marschall

Foto (c) Kreisarchiv Mettmann/Sepp Unger  

Prälat Bernhard Marschall

Foto (c) Kreisarchiv Mettmann/Sepp Unger  

Gott liebt die Welt von heute

Rundfunkandacht von Prälat Bernhard Marschall, Gruiten

Wir spüren wohl schon alle den Trost des Wortes, das wir uns für diese Woche betend und betrachtend vor die Seele gestellt haben. Es ist das Wort Christi an Nikodemus: „So sehr hat Gott die Welt geliebt, daß er seinen eingeborenen Sohn dahingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren gehe, sondern ewiges Leben hat.“

Gott, der Unendliche, liebt uns, denn wir gehören zu der Welt, in die sein Sohn hineinkam. Er hat sie geliebt, nicht einmal und dann nicht wieder, sondern die Welt steht für immer in seiner Liebe, auch die Welt von heute, nicht irgendeine Welt, sondern die Welt, die da ist, und wie sie da ist, also auch die Welt mit ihren Unvollkommenheiten und Schwächen, ja mit ihren Gemeinheiten und Sünden. Zur Liebe gehört, wenn wir schon bei dem menschlichen Ausdruck bleiben, auch ein Verlangen nach dem Geliebten, ein An-sich-ziehen-wollen. Im Johannesevangelium, aus dem unser Betrachtungswort der Woche stammt, hat die Welt nicht nur den Sinn der auserwählten Welt, sondern betont die Nebenbedeutung der innerlich bösen, von Gott abgekehrten Welt. Gerade diese Welt will Gott an sich ziehen. Deshalb sandte er in sie hinein seinen eingeborenen Sohn.

Wie wertvoll müssen wir Menschen in den Augen Gottes sein, daß er seine Liebe so bezeugt hat und uns seine Liebe immer von neuem durch seinen Sohn in seiner Kirche, im heiligen Opfer, im Sakramente offenbart! Nach den Wor­ten der Heiligen Schrift sind wir Menschen Ebenbilder Gottes. Größeres kann keiner von den Menschen aus­sagen. Nach dem Bilde Gottes sind wir geschaffen. Seine Ebenbilder liebt Gott von Ewigkeit her und holt sie immerfort heim an sein Vaterherz.

Gott liebt die Welt von heute. Wir spüren in unseren Tagen Gottes Wehen über uns. Im namenlosen Elend der Zeit löst er den Menschen von der Verhaftung an das Irdische los. Er will ihn für die Liebe Gottes frei machen. Gott gebraucht seine Allmacht nicht, um sie uns aufzudrängen. Er will, daß seine Ebenbilder von dem Geschenk, das er uns gegeben hat, da wir Abbilder seiner Persönlichkeit sind, von der geistigen Freiheit Ihm gegenüber Gebrauch machen. Wir sollen uns frei für Ihn entscheiden.

Prälat Bernhard Marschall

Rundfunk-Prälat Bernhard Marschall um 1950

 

Diese Entscheidung liegt im Glauben an Ihn und Sein Wort. Die Welt von heute kommt nur aus ihrer Not und Angst heraus, wenn sie diese Entscheidung in der Gnade Gottes fällt. Diese Gnade Gottes wird einem jeden von uns neu geschenkt. Ist es nicht eine Gnade unserer Tage, daß nicht nur Theologen, nicht nur Priester, sondern selbst Staatsmänner die Welt auf Christus hinweisen? Aber diese Menschenworte müssen letztlich nicht aus politischen Nützlichkeitsgründen, sondern aus der Liebe, dem Urgrund des göttlichen Seins, geboren sein. Die Worte dürfen nicht nur Klanglaut bleiben, sondern müssen, aus der Liebe geboren, Taten der Liebe gebären. Wir alle miteinander sind schwache Menschen. Darum jubelt unser Herz, wenn es hört, daß Gott uns liebt. Gebe Gott uns die große Gnade, daß wir uns von Ihm lieben lassen, daß die Welt von heute sich seiner rettenden Liebe nicht widersetzt!

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Prälaten Marschall 40 Jahre Priester

Ehrentag der Pfarrgemeinde St. Nikolaus – Hohe Gäste werden erwartet

Gruiten – Wie die RP schon vor längerer Zeit meldete, feiert Prälat Marschall am Sonntag sein Priesterjubiläum. Dieser Festtag wird in erster Linie für die St.-Nikolaus-Pfarre, darüber hinaus aber auch für den Landkreis Düsseldorf-Mettmann ein Ereignis sein. Noch niemals hat Gruiten so viele prominente Gäste gesehen, wie sich am Sonntag zu diesem Priesterjubiläum einfinden werden. Das ist verständlich für die, die wissen, dass Prälat Marschall im In- und Ausland als hervorragende Persönlichkeit des Geistesleben geschätzt wird.

Der Pristerjubilar, der Weihnachten1888 in Essen-Steele geboren wurde, kam am 1. Januar 1934 als Pfarrer zur St.Nikolaus-Pfarre nach Gruiten. Vorher war er nach seiner Priesterweihe als junger Kaplan an der Herz-Jesu-Pfarre in Elberfeld tätig und kam von da ebenfalls als Kaplan, zur Herz-Jesu-Pfarre nach Köln.

 

Während des ersten Weltkrieges war er Lazarettpfarrer in Köln. Nach dem Krieg übernahm er in Köln das Amt des Religionslehrers an der Knabenschule der Pfarre St. Kunibert. Während seiner Lehrtätigkeit war er noch Diözesan-Präses der Borromäus-Vereine. Damals wandte er sich aber auch dem in den Anfängen steckenden Rundfunk zu, dessen Wichtigkeit für die Zukunft er wie kaum ein anderer erkannte. Schon 1923 begann er mit dieser Arbeit beim damaligen Sender Elberfeld.

 

Von 1927 an übernahm er die Leitung des Zentral-Bildungsausschusses der katholischen Verbände Deutschlands, eine Tätigkeit, die ihn auch vorrübergehend mit der Filmarbeit in Berührung brachte. Seit 1928 führte er den Vorsitz des Internationalen Katholischen-Rundfunkbüros. Von 1930 ab war er für diese wichtigen Arbeiten ganz freigestellt.

Kirche St. Nikolaus

Foto (c) Kreisarchiv Mettmann/Sepp Unger  

Die einschneidenden  Einschränkungen der Nationalsozialisten beschnitt ihm seine Tätigkeit, so dass er aus diesem Grund die Pfarre St. Nikolaus in Gruiten übernahm. Obschon die meisten ihn in der Stille  des Düsseltals geborgen glaubten, entging er nur wie durch ein Wunder den Nachstellungen der Gestapo, die seine engeren Mitarbeiter der Freiheit beraubte.

Wenn er auf dem ihm anvertrauten früheren Arbeitsgebiet auch sehr eingeengt war, benutzte er doch jede Gelegenheit, die in der Stille geleistete Arbeit in die Weite hinauszutragen. Mit seiner Pfarre aber wuchs er in den Jahren schwerer geistiger Bedrängnis zu einer echten Pfarrfamilie zusammen. Die feierliche Gestaltung des Gottesdienstes pflegte er in jeder Form, während er auf eine würdige Ausgestaltung des Gotteshauses ebenfalls bedacht war. Um wertvolle Kunstwerke konnte er das Gotteshaus bereichern.

Für seine Pfarrkinder war er jederzeit zu sprechen. Für viele war es selbstverständlich, dass man im Pfarrhaus  ohne Schwierigkeiten auch noch zu nächtlicher Stunde vorsprechen konnte.

In guter Erinnerung sind seine in früheren Jahren gehaltenen Fastenpredigten, die allsonntäglich viele Gläubige nach Gruiten zogen. Als die Nationalsozialisten daran gingen, aus den Schulen und öffentlichen Gebäuden die Kreuze zu entfernen, errichtete Prälat Marschall zunächst in neuer Form das Heilig-Jahr-Kreuz am Eingang zum Dorf und ließ noch ein mächtiges, weithin sichtbares Friedhofskreuz an erhöhter Stelle aufstellen. Gerade in den  Jahren schwerer Not und Bedrängnis war er unermüdlich tätig, wenn es galt, Wunden zu heilen, die der Krieg in den meisten Familien geschlagen hatte.

Nach der Beendigung des Krieges stellt sich Prälat Marschall mit frischer Kraft für den Aufbau zur Verfügung. So war es nicht verwunderlich dass er schon zu den ersten Kreistagsmitgliedern, die damals noch berufen wurden, zählte. Mehr und mehr nahm ihn die Rundfunkarbeit wieder in Anspruch. Am Ausbau des deutschen Rundfunks ist er maßgeblich beteiligt. Verständlich ist, dass er auf diesem Gebiet als eine der führenden Persönlichkeiten angesehen wird. Seinen besonderen Auftrag sieht er hierbei in der Erfüllung seiner Aufgabe als Bischöflicher Rundfunk-Referend. Die kirchliche Hauptstelle für die deutschen Diözesen ist im Pfarrhaus Gruiten. Aber auch über Deutschland hinaus erfreut sich Prälat Marschall besonderen Ansehens, zählte er doch heute mit zum Präsidium des Internationalen Katholischen Rundfunks, in dem 26 Ländern zusammengeschlossen sind.

Daß Prälat Marschall bei dem Ausbau des Fernsehens ein eifriger Verfechter des einzuschlagenden guten Weges ist, wird niemand wundern, der sich von dem tiefen Verantwortungsgefühl  des Priesters überzeugen durfte.

Prälat Bernhard Marschall

Foto (c) Kreisarchiv Mettmann/Sepp Unger  

Am 1.3.1953 wurde Prälat Marschall zum Ehrenbürger der Gemeinde Gruiten ernannt!

Prälat Bernhard Marschall

Foto (c) Kreisarchiv Mettmann/Sepp Unger  

Überreichung des Ehrenbürgerbriefes an Prälat Marschall durch Bürgermeister Dr. Halberkann

Prälat Bernhard Marschall

Foto (c) Kreisarchiv Mettmann/Sepp Unger  

Dankansprache von Prälat Marschall 1953 zur Überreichung des Ehrenbürgerbriefes

Zum treuen Gedenken

an den Hochwürdigsten Herrn

Prälaten Bernhard Marschall

Ehrendomherr an der Hohen Domkirche zu Köln

Er wurde geboren am 25. Dezember1988 in Essen-Steele und empfing am 15. Februar 1913 im Hohen Dom zu Köln die hI. Priesterweihe. Nach seiner Tätigkeit als Kaplan in Herz-Jesu, Elberfeld und Herz Jesu, Köln, ging er als Religionslehrer an die Mittlere Knabenschule II Köln, Dagobertstraße.

Zu gleicher Zeit übernahm er den Vorsitz des Zentralbildungsausschusses, Sitz Köln. Er widmete sich der katholischen Rundfunk- und Filmarbeit und gründete die Internationale Katholische Rundfunk Arbeitsgemeinschaft UNDA.

Seine öffentliche Tätigkeit wurde 1933 beeinträchtigt. Als Pfarrer übernahm er am 31. Dez. 1933 die Gemeinde Gruiten im Dekanat Mettmann. Überaus segensreich war hier seine seelsorgerische Tätigkeit.      Nach dem zweiten Weltkriege hat er in seiner Eigenschaft als Zweiter Hauptausschußvorsitzender des NWDR seine ganze Kraft auch eingesetzt für den Wiederaufbau des Deutschen Rundfunk-und Fernsehwesens.

Er wurde ernannt zum Ehrenpräsidenten der UNDA. Ehrenvorsitzender der KRD, Ehrenbürger der Gemeinde Gruiten. Der Herr Bundespräsident verlieh Ihm das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.

Veranlaßt durch zwei Unfälle und der sich daraus ergebenden körperlichen Behinderung verabschiedete er sich von seiner Pfarrgemeinde in Gruiten am 11. Februar 1962 und lebte seitdem ergeben in Gottes Willen im Ruhestand in den Riehler Heimstätten Köln. Hier starb er am 22.6.1963.

Prälat Bernhard Marschall`s Grab

 

Lasset uns beten O Herr, Du Hirte und Hüter der Seelen, wir bitten Dicht für Deinen verstorbenen Diener Bernhard, den Du zum Priester und Seelsorger bestellt hast. Du kennst seine Worte und Werke, seine Erfolge und sein Versagen; Du weißt aber auch um seine verborgenen Kämpfe und Leiden. So bitten wir Dich, sei ihm am Tage der Rechenschaft ein gnädiger Richter und schenke Ihm um der Liebe Christi Willen den ewigen Frieden. Durch Christus unseren Herrn.

 Amen.

 

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Daten und Ereignisse überwiegend entnommen aus folgenden Veröffentlichungen:

 

Archiv Ahrweiler, Foto (c) Kreisarchiv Mettmann/Sepp Unger, Achiv Breidbach, RP