Die Winkeler Mühle

Winkelsmühle heißt sie im Volksmund. Am Wege zum Neandertal liegt sie nicht mehr in den Grenzen unserer Heimatgemeinde. Sie ist aber für Gruiten immer ein Stück Heimat gewesen. Es gibt keinen schöneren Weg zu ihr hin, als den vom Dorf aus, der rauschenden Düssel entlang bis zu dem Winkel, den sie dort bildet, wo vor Jahrhunderten ihr Grundstein gelegt wurde.

Weil nun von keiner anderen Seite bisher ihre Geschichte erzählt wurde, soll es an dieser Stelle geschehen, um ihr den Dank abzustatten für die frohen, bewegten Stunden am Sonntag und manchen stillen, besinnlichen an Nachmittagen der Woche, die sie ihren Gästen in ihrer herrlichen Gottesnatur geboten hat. Jahrhunderte lang hatte sie hier, überschattet von mächtigen Kastanienbäumen, still und verträumt gelegen, bis sie entdeckt wurde.

Die Gaststätte Winkelsmühle mit Teich um 1900

Die kleine Gaststube im Mühlengebäude zog die ersten Wanderer an und genügte für die Sommermonate bald nicht mehr.  Es entstand ein schöner Gesellschaftsraum in einem neu errichteten Nebengebäude. Ein Gondelteich wurde angelegt, herrlich im Winter zum Schlittschuhlaufen. Bekannt aber wurde die Winkelsmühle weit ins Land hinein durch ihre Forellenzucht. Sie bestand aus rund 60 kleineren und größeren Teichen, die jeweils nach dem Alter der Fische besetzt waren. In der Gaststätte aber galt immer als besondere Delikatesse „Forelle blau“, wie es auf der Speisekarte verzeichnet stand.

Winkelsmühle um 1890

Leider mußte die Forellenzucht einem Strandbad weichen. Die Winkelsmühle hat öfters Krisenzeiten erlebt und auch jetzt scheint ein Schatten über ihr zu liegen. Man weiß nicht, was aus ihr werden wird und viele bangen um ihr Schicksal. Aber die Erinnerung bleibt, und es sind wohl nur wenige aus unserem Heimatdorf gewesen, die nicht ihre beglückende Stunde hier im Tal erlebten, wo zwei sich fanden, die sich liebten. Was ist da nur schöner gewesen, der fröhliche Tanz nach den Melodien der großen Spielorgel in den Räumen der Winkelsmühle oder nachher der gemeinsame Heimweg auf heimlichen Pfaden in der Abenddämmerung durch den schon dunklen Wald. Sage es, wer es sagen kann. Der erste Spaziergang im Frühling hat immer ihr gegolten. Da blühten am Düsselrand und in den Wiesen die Himmelsschlüssel und die Sumpfdotterblumen in ihren leuchtenden, goldgelben Farben.

An den Waldhängen nickten die weißen Köpfchen des Buschwindröschens dem Wanderer ihr Willkommen zu. Die Waldrebe aber überwucherte fast haushoch das am Wegrand stehende Gebüsch, hier und da Triumphbogen des Frühlings bildend und stand in voller Blütenpracht. Die Vögel sangen und jubilierten:  Wie bist du doch so schön, o du weite, weite Welt!

Foto (c) Kreisarchiv Mettmann/Sepp Unger

In unmittelbarer Nähe der Mühle, über ihr auf der Höhe, liegt der Hof im Winkel. Schon in der Mitte der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts hatte Ulke im Winkel an das Haus Schlickum in Millrath jährlich 4 brabantische Denare und 2 Hühner abzuliefern, vielleicht für die Anerkennung eines Quallrechtes in der Düssel. Den Zehnten gab er zu dieser Zeit dem Stift Kaiserswerth. Ein Abhängigkeitsverhältnis bestand auch zum Deutschen Ritterorden mit seinem Oberhof Püttbach bei Wülfrath. Später ging die Zehntpflicht an das Kloster Gräfrath und das Haus Hellenbruch über.

Später hat die Familie Schorn die Mühle erwerben können. Der Siebenjährige Krieg war vorbei. Nun drückten die Kriegslasten sehr auf das Land und auch die Winkelsmühle hatte wieder schwer um ihre Existenz zu kämpfen.

Im Jahre 1782 sah sich die Familie veranlaßt, der Regierung in Düsseldorf zu erklären, daß sie nicht einmal in der Lage wäre, die notwendigen Reparaturen an der Mühle vorzunehmen, geschweige denn auch noch die auferlegten Kriegslasten aufzubringen. Unter größten Anstrengungen gelang es ihr von Jahr zu Jahr, die Mühle noch zu halten. Als dann aber von 1795 an das Land von den Franzosen besetzt war und den Bewohnern aufs neue unerhörte Lasten aufgebürdet wurden, mußte die Familie ihre Zahlungsunfähigkeit anmelden.  Es kam zur Versteigerung.

Sie fand am 5. Januar 1802 statt. Viele Interessenten waren erschienen. Das erste Angebot waren 8000 Reichstaler. Es fand ein vielseitiges überbieten statt, bis Wilhelm Köttgen von der Mühle in Aprath bei einem Höchstangebot von 10350 Reichstalern den Zuschlag erhielt. Er übertrug die Mühle seinem Sohn Adolf Köttgen, der nach 1820 die Bandesmühle in Gräfrath übernahm, wo er 1837 starb.

Nach dem Krieg musste das Strandbad nach einem Todesfall geschlossen werden. Damit gingen alle begleitenden Einrichtungen, Cafe, Gaststätte, Kahnfahren rapide zurück. Der Zustand des Anwesens verschlechterte sich derart, daß es zum Verkauf angeboten werden mußte.

Foto (c) Kreisarchiv Mettmann/Sepp Unger

Nach einem Brand des Gebäudes kaufte dann der Zweckverband das Anwesen. Mit diesem Gebäude wurde ein kulturhistorisches Haus erworben. Beim Erwerb der Winkelsmühle und der umgebenden Flächen wurde ausdrücklich auf die Erhaltung eines Naturschutzgebietes mit ihrer Tierwelt Wert gelegt. Es wurden aber auch gute Möglichkeiten geschaffen zur Naturbeobachtung, zum Ausruhen und zum Spielen. In diesem Haus, der Winkelsmühle, hatte der Zweckverband seine Geschäftsstelle etabliert.

Fritz Breidbach

 

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Daten und Ereignisse überwiegend entnommen aus folgenden Veröffentlichungen:

 

Fritz  Breidbach, Gruiten - Die Geschichte eines Dorfes an der Düssel, (Hrsg. Gemeinde Gruiten)

Archiv Stadt Haan, Archiv Ahrweiler, Foto (c) Kreisarchiv Mettmann/Sepp Unger